Wenn du diesen Titel liest, wirst du dich wahrscheinlich fragen, was er bedeuten soll. Ist das wieder so ein esoterischer Schnick-Schnack? Nein, ist es nicht. Ich möchte dir kurz und knapp verdeutlichen, warum Kunst für unsere seelische Gesundheit so bedeutsam ist. Starten wir mit dem, was ich die "Meditationsindustrie" nenne.
Die Meditationsindustrie
Wenn du bei Google nach Bildern mit dem Begriff "Meditation“ suchst wirst du als erstes Fotos von Menschen finden, die in einer wunderbaren Kulisse einsam im Yogasitz vor sich hinmeditieren.
Typisch für unsere westliche Gründlichkeit kann Meditation auch nicht funktionieren, wenn wir nicht das gesamte Equipment dafür haben: Matte, Kissen, Kleidung, Duftstäbchen, Musik usw., usw. So geben wir dann eine Menge Geld aus um Dinge zu kaufen, die unsere Schränke noch mehr füllen und uns keinen wesentlichen Schritt einem meditativem Zustand näher bringen.
Ich will dir in diesem Artikel meine ganz persönliche Ansicht darüber zeigen, warum das ein falsches Bild davon vermittelt, wie wir innere Ruhe finden können.
Meditation ist Aufmerksamkeit
An dieser Stelle spätestens taucht die berechtigte Frage auf: Was ist denn eigentlich Meditation und warum ist sie überhaupt erstrebenswert?
Wikipedia definiert den Begriff so: Meditation bezeichnet eine Gruppe von Geistesübungen, die in verschiedenen Traditionen seit Jahrtausenden überliefert sind. Ein wesentliches Element meditativer Techniken ist das bewusste Steuern der Aufmerksamkeit. Das Üben von Meditation soll nachhaltige positive Veränderungen im Denken, Fühlen und Wahrnehmen bewirken (...).
Das entscheidende Wörtchen hierbei: Es geht bei Meditation um Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit die sich nach innen richtet. Denken, Fühlen und Wahrnehmen finden in unserem Inneren statt.
Wenn die Gedanken in unseren Köpfen zum Stillstand kommen, wir das Gefühl für Zeit und Raum verlieren - genau dann sind wir in einem meditativen Zustand. So eine Meditation gibt uns Kraft, klärt unseren Kopf, nährt unsere Seele.
Und, merkst du etwas? Nicht wenige von uns werden diesen Zustand schon einmal erlebt haben: Im Ausdauersport beim Laufen oder Radfahren, im Urlaub, beim Nähen, beim Kochen, unter der Dusche und dann eben auch in der Kunst.
Aufmerksamkeit heißt Ruhe finden
Genau darauf möchte ich dich heute mit meinem Artikel aufmerksam machen: Kunst kann Meditation sein – genauso übrigens wie jede andere Tätigkeit in unserem Leben. Und zwar aus einem einfachen Grund: Wenn ich ganz bei meiner Kunst bin, ist Stille in meinem Kopf. Kein Gedanke mehr "ich muss gleich dieses und jenes noch erledigen".
Kunst ist einer der besten Abkürzungen, um diesen gelassenen Zustand der Meditation zu erreichen. Tatsächlich meditieren wir auch ab und zu bei den oben beschriebenen Alltagstätigkeiten: In diesen Fällen ist unser Kopf aus welchen Gründen auch immer regelrecht abgeschaltet, wir tun nichts anderes als das was wir tun.
Das heißt, unsere Gedanken sind zu 100% bei dem, was wir gerade machen. Das nennt man "Aufmerksamkeit". Im Alltag ist so ein Zustand jedoch schwieriger zu erreichen als beispielsweise in der Kunst. Zu viele Dinge lenken uns da immer wieder ab. Selbst bei klassischen Entspannungsübungen wird es schon schwierig, wenn wir z. B. der Kursleiterin oder der Anleitungs-CD zuhören, auf die anderen im Kursraum blicken, unsere schmerzenden Gelenke und Muskeln spüren und dann ganz rasch gedanklich abschweifen.
Wie Social Media unsere Seele verkümmern lässt
Meditation ist im Kern also nichts anderes, als ganz im Augenblick zu sein, leer von störenden Gedanken. Kunst kann genau diesen Effekt haben: Das gedankenverlorene Versinken in den Malprozess und das Aufwachen daraus wie nach einem erfrischenden Tiefschlaf. Malen (oder besser: kreativ zu sein) nährt und heilt damit die Seele!
Warum ich das so pointiert formuliere ist auch wieder ganz einfach: Unsere Welt ist spätestens seit der digitalen Revolution und dem Dauerbeschuss durch Bilder und Informationen in den Sozialen Medien angefüllt von "plappernden Affen". Innere Stille kennen wir fast gar nicht mehr.
Und das ist meiner Meinung nach einer der Gründe unserer andauernden Unzufriedenheit. Denn wenn wir innerlich zurücktreten und unser Leben einmal ganz nüchtern von außen betrachten, leben die meisten von uns so wie vor 200 Jahren Könige gelebt haben. Wir haben einen unvorstellbaren Reichtum an Dingen - doch genau dieser Reichtum macht uns arm.
Unsere Seele verkümmert, denn zu viele von uns vergessen, dass das Leben mehr als nur aus Gegenständen besteht. Unsere seelische Gesundheit ist spürbar gefährdet. Und wenn wir dann einen dieser Momente innerer Stille empfinden ist das Gefühl von Verlust danach umso größer.
Perfektion und Vergleich - die Feinde deiner Kreativität
Ich möchte an dieser Stelle den Faden noch einmal aufnehmen und zu meinem ursprünglichen Gedanken zurückkehren: Unsere Seele sehnt sich nach innerer Ruhe und kreative Tätigkeiten geben ihr diese besonders leicht.
Doch das Ganze ist nicht so einfach wie es sich anhört. Denn auch das werdet ihr kennen: Die inneren Antreiber, Vergleicher, Perfektionisten, die uns die Freude am Malen oder an der Kunst nehmen. Und das ist auch der Grund warum ich dir immer wieder in meinen Videos sage: Verabschiede dich von der Perfektion, denn sie wird dir in den meisten Fällen keine innere Ruhe bringen. Mal einfach los, ohne dich mit anderen zu vergleichen und hab Spaß daran, was du tust.
Hört sich einfach an und ist so ziemlich das Schwierigste für uns, von westlichen Lebensstandards auf Leistung getrimmten Menschen.
Der Weg zur Heilung
Und was machen wir jetzt mit diesen Erkenntnissen? Zuerst einmal sollten wir akzeptieren, dass es keine Abkürzung gibt, um den Zustand von Aufmerksamkeit oder Meditation zu erreichen. Doch es gibt Wege, die es uns einfacher machen. Und Kunst ist einer dieser Wege, den viele von uns gehen können. Er ist aber mit Sicherheit nicht der einzige.
Lass dich von der Kunst überraschen und sei offen für diese kreative Reise. Lass deine Fehler und Unzulänglichkeiten zu. Und entdecke irgendwann auf dieser Reise, dass du plötzlich innere Ruhe findest. Genieße diesen Augenblick, denn er wird erfahrungsgemäß vorübergehend sein. Doch wenn du ihn einmal erreicht hast, wirst du ihn mit Sicherheit immer wieder erlangen - hab Vertrauen.
Ich wünsche dir von Herzen alles Gute für deinen Weg zu Heilung deiner Seele.