Vorskizzen sind einfacher als du denkst
Vorskizzen sind für viele Neueinsteiger in die Malerei ein Graus. Sie scheinen wie eine unüberwindbare Hürde vor dem eigentlich schönen Teil (der Arbeit mit den Farben) zu sein. Gerade bei Portraits können kleine Abweichungen vom Original ein Werk komplett zerstören. Die klassische Rastermethode bietet zwar eine relativ sichere Möglichkeit guter Vorskizzen, sie ist aber auch mit viel Aufwand verbunden.
Im heutigen Artikel möchte ich dir zeigen, welche Alternativen dir moderne Technik bietet vor allem bei großformatigen Werken fehlerfreie Skizzen anzufertigen. Ich kann dir versprechen, dass du dich über einige der Methoden echt wundern wirst.
Oldschool - Skizzen einfach mit einem OHP übertragen
Eine alte aber nichstdestotrotz effektive Technik für großformatige Skizzen ist der Einsatz eines so genannten Licht- oder Overhead-Projektors (OHP). Das sind diese Dinger, die deine Lehrkräfte früher im Unterricht eingesetzt haben. Du kannst sie für kleines Geld gebraucht kaufen, da sie praktisch niemand mehr verwendet - sie sind durch die wesentlich flexibler einsetzbaren Beamer abgelöst werden.
Damit du einen OHP nutzen kannst, brauchst du zusätzlich noch bedruckbare Folien. Auf diese druckst du deine Vorlage auf - eine schwarz-weiße Umrissdarstellung reicht dafür völlig aus. Die Folie legst du dann auf den OHP und stellst durch den Abstand der Linse vom beleuchteten Glas die Vergrößerung ein.
Die Projektoren haben im Gegegnsatz zu Beamern nur begrenzte Korrekturmöglichkeiten, wenn die Leinwand schräg steht. Du solltest daher darauf achten, dass dein Malgrund möglichst genau im rechten Winkel zur Projektion aufgehängt ist, damit es nicht zu ungewollten Verzerrungen kommt.
Ein großer Vorteil eines OHP ist seine Lichtstärke - du kannst damit eine Vorzeichnung sogar bei hellem Tageslicht projezieren. Mit dem Beamer hat er jedoch einen kleinen Nachteil gemeinsam: Je nach Handhaltung verdeckst du beim Nachzeichnen der projezierten Linien manchmal die Vorlage.
Statt eines OHP bietet der Kunsthandel so genannte Tracer an. Diese haben aber zwei Nachteile. Zum einen sind sie wesentlich teurer als gebrauchte OHP. Zum anderen sind sie in der Größe der projezierten Fläche und der Vorlage (meist nur ca. 10x10 cm) beschränkt.
Beamer sind für Vorzeichnungen nur begrenzt einsetzbar
Wie ich schon vorhin erwähnt habe, werden heutzutage häufig Beamer für Skizzen verwendet. Als "Projektoren" werden diese übrigens auch im Kunstfachhandel angeboten.Sie haben den enormen Vorteil, dass sie auch für sehr große Formate eingesetzt werden können. Andererseits sind sie für kleinere Formate nicht geeignet, da man nicht nahe genug an die Leinwand herangehen kann.
Problematisch sind auch billige und lichtschwache Geräte. Die exakte Projektion eines Fotos gelingt damit nur bei Dämmerung oder Dunkelheit. Und dadurch wird ein weiteres Problem der Beamer noch verstärkt: Der Schatten deiner Hand mit dem Stift deckt oft genau die Stelle ab, die du abzeichnen möchtest.
Ich habe selbst einen solchen Beamer länger eingesetzt, ihn dann aber durch einen OHP ersetzt, da dieser auch bei Tageslicht problemlos verwendbar ist.
Falls Geld für dich keine Rolle spielen sollte, ist ein Beamer natürlich eine sehr bequeme und narrensichere Methode, um großformatige Vorskizzen anzufertigen. Im Gegensatz zum OHP kannst du mit dem Beamer nämlich auch Verzerrungen mit wenigen Tastendrücken aufheben.
VR-Brillen - das technische Non-Plus-Ultra
Dass Künstler tatsächlich die klobigen VR-Brillen (VR = virtual reality) einsetzen, habe ich selbst erst in diesem Jahr life gesehen. Und ich muss sagen: Ich war extrem beeindruckt! Das ist modernste Technik in einem sinnvollen Einsatz.
Die Funktionsweise einer VR-Brille lässt sich vereinfacht so erklären: Du lädst dein Vorlagenfoto in der Brille hoch. Dann setzt du die Brille auf und stellst das Foto in seiner Größe so ein, wie es für deinen Malgrund passt. Du legst auch fest, worauf das Foto projeziert werden soll. Und das funktioniert sogar auf kleinen Leinwänden!
Und dann beginnt die Magie: Du siehst deine Vorlage messerscharf auf deiner ausgewählten Leinwand abgebildet, egal wie du auch den Kopf hin und her drehst (außer du wendest dich ab...).
Die Brille rechnet alle Verzerrungen heraus, so dass das Foto immer passend projeziert wird. Wirklich beeindruckend, wenn man das selbst einmal ausprobiert hat! Doppelt beeindruckend ist diese Methode übrigens für Streetart-Künstler, die ihre Motive auf den Wänden von Häusern mit der VR-Brille vorzeichnen.
Eine solche VR-Brille kostet etwa genausoviel wie ein Beamer, kann aber wesentlich flexibler eingesetzt werden. Zum Beispiel für virtuelle Sprachreisen in andere Länder, Planung einer neuen Küche/Inneneinrichtung, Sportsimulationen usw. Von daher ist der hohe Preis meiner Meinung nach besser angelegt als bei einem Beamer, der eben nur projezieren kann.
Ich bin mir sicher, dass diese Tipps dir helfen, deine Vorzeichnungen in Zukunft sicherer anzufertigen. Viel Spaß dabei!